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Foto: Nina Strasser

 

HERMES PHETTBERG: „Ich will leben!“
Fotografien von Nina Strasser

Die Bereitschaft, die intimsten Details seines (Sexual-) Lebens der Öffentlichkeit Preis zu geben, hat Hermes Phettberg einst zur Kultfigur gemacht. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens in den Neunziger Jahren, wohnten seiner TV-Sendung  'Nette Leit Show' bis zu 250.000 Zuschauer bei. Er führte intime Gespräche mit Prominenten von Marcel Prawy bis Manfred Deix. Und machte dabei nie einen Hehl daraus, fresssüchtig zu sein sowie auf der stetigen Suche nach willigen Jeansboys.

Auf einen Jeansboy wartet der 60-Jährige noch heute.

Doch von seinem Markenzeichen, der Körperfülle (bei 150 Kilogramm machte die Waage schlapp), blieb nur ein Drittel übrig. Nach drei Schlaganfällen fallen dem Intellektuellen Sprechen und Lesen schwer. Um sich zu Waschen, benötigt er Hilfe – wie auch für viele andere Dinge des täglichen Lebens. Dennoch schleppt sich der 60-Jährige regelmäßig drei Stockwerke hinunter auf die Gumpendorfer Straße, um etwa auf dem Gehsteig sein Gabelfrühstück einzunehmen oder bei den Barmherzigen Schwestern der Messe bei zu wohnen.

 

   
Porträtfotografie_Hände

Foto: Nina Strasser

In der Fotoreportage HERMES PHETTBERG: „Ich will leben!“ dokumentiert die Sportjournalistin Nina Strasser das Leben von einem, der nicht gewillt ist, das Leben in der Mitte der Gesellschaft aufzugeben, selbst wenn er mittellos und schwerkrank ist. Stets im Zentrum steht Hermes Phettberg – einsam zwar, aber nicht alleine gelassen. Der Besucher sei gewarnt: Die Fotos sind mitunter schwer zu verdauen.

Der gebürtige Josef Fenz wurde Mitte der Achtziger Jahre als Mitbegründer des Vereins Libertine Sodamosochismus-initiative Wien bekannt. Nebst diversen Happenings und Kunstaktionen erreichte er den Höhepunkt seiner Karriere als Fernseh-Talkmaster von Phettbergs Nette Leit Show in den Neunziger Jahren.

Das Schaffen des ehemaligen Bankangestellten drehte sich um Provokation, mit den bevorzugten Themen Sadomasochismus, Homosexualität und Katholizismus. Durch seine radikale Offenheit bezüglich seiner persönlichen Vorlieben, Körperfunktionen und beim Hinterfragen von anderen hat er brilliert und provoziert. Seine Arbeit wurde mit diversen Preisen gewürdigt. 2007 setzte ihm sein langjähriger Freund Kurt Palm mit der Dokumentation ‚Hermes Phettberg, Elender’ ein Monument. Nach wie vor schreibt er die Kolumne ‚Phettbergs Predigtdienst’ für die Wochenzeitung Falter. Seine Gedankengänge kann man über Twitter und auf seiner Homepage (www.phettberg.at) verfolgen, bei denen – wie so oft in seinem Schaffen – das Essen eine wichtige Rolle spielt.

 

   
Löten_Porträtfoto

Foto: Nina Strasser

Die Reportage bleibt ohne Kommentar der Künstlerin. Alle Bilder entstanden mit Hermes Phettbergs Einverständnis – mehr noch – mit seinem ausdrücklichen Wunsch:

„Bitte vergesst mich nicht.“

 

Fotoausstellung in der FotoSecession Wien
FotoSecession, Rechte Wienzeile 85, 1050 Wien

Vernissage: Mittwoch, 07.11.2012, 20:00 Uhr

Öffnungszeiten: 8.11. bis 14.11. 2012
Montag bis Donnerstag: 16 bis 18 Uhr


Eintritt frei

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